Was uns die „Dönermorde“ nun also auch über das Verbindungswesen sagen…

Die Dönermorde, bzw. deren Begleitumstände, müssen ja derzeit für einigen politischen Aktionismus herhalten. Diese zu bewerten ist prinzipiell nicht Aufgabe und Zweck dieses Blogs. Jedoch, und genau das ist wiederrum Gegenstand dieser Webseite, wird die Diskussion seit einigen Tagen auch als Argument für die Kritik am Verbindungswesen herangezogen. Hier kommen schon sehr seltsame Argumentationslinien zustande. So versucht man bspw. auf der Seite http://coburgerconvent.blogsport.de einen Zusammenhang zwischen der ruhenden Mitgliedschaft des Coburger Convents (CC) im Convent Deutscher Akademikerverbände (CDA) mit den Dönermorden herzustellen.

So heißt es im Artikel „Waffenbrüder gespalten„:

Ende Oktober hat der Coburger Convent beschlossen, seine Aktivitäten im Convent Deutscher Akademikerverbände (CDA) bis auf weiteres ruhen zu lassen. Grund hierfür sind nach eigener Darstellung die „ethnologischen Aufnahmekriterien“ der Deutschen Burschenschaft (DB), welche ebenso Mitglied im CDA ist. Mitte des Jahres war es zu einem Skandal gekommen, als die rassistische Ideologie der DB an die Öffentlichkeit gelangte.

Dies kann man halbwegs so stehen lassen. Nur dass es nicht um eine rassistische Ideologie der DB ging, allenfalls um die einzelner Mitgliedsbünde des Dachverbands, die innerhalb ihres Dachverbands noch nicht einmal annährend mehrheitsfähig sind.

Damit ist mit dem CDA als verbindungsstudentischem Super-Dachverband die gesamte Szene deutlich geschwächt.

Der CDA ist kein „Super-Dachverband„, sondern eine Arbeitsgemeinschaft von Altherrenverbänden deutscher Korporationsverbände. (siehe hierzu auch http://www.akademikerverbaende.de/kurzinformation.html) Hier sind weder Verbindungen als solche, noch gesamte Dachverbände Mitglied – nur eben deren Philistervereinigungen.

Mit einer in diesem Zusammenhang veröffentlichten Stellungnahme gegen „Extremismus von links und rechts“ spielt der CC selbst wie auch der CDA jedoch in unerträglicher Weise mit einer Relativierung faschistischer Ideologie.

Im Gegenteil! Der CC stellt sich grundsätzlich und gegen jedwede politische Extreme: 

Wir lehnen Extremismus von links und rechts ab.
(Quelle: http://www.coburger-convent.de/willkommen/aktuelles/einzelansicht/article/coburger-convent-cc-bekraeftigt-convent-deutscher-akademikerverbaende-cda.html, Zugriff am 22.11.2011)

Jegliche politische Extrema schaden einer Demokratie gleich welchen Typs. Es gibt weder einen guten, noch einen schlechten Extremismus, er steht immer außerhalb der gesunden Grenzen der für eine Demokratie notwendigen Toleranz.

Gerade im Kontext der zur Zeit medial beachteten rassistischen Mordserie in Deutschland spricht die Gleichsetzung der rechten Hassideologie mit freiheitlicher linker Politik von einem mehr als seltsamen Menschlichkeitsverständnis.

Ich frage mich, wie man aus der DB-Diskussion vom Sommer und dem daraus gefolgten Quasi-Austritt des CC aus dem CDA einen Zusammenhang zu den sog. Dönermorden herstellen kann. Man könnte hier fast den Eindruck gewinnen, als wäre das deutsche Verbindungswesen kollektiv an diesen beteiligt oder zumindest darüber erfreut gewesen. Was glauben die Damen und Herren Verbindungskritiker denn eigentlich, über was man in den Verbindungshäusern spricht? Offenbar schweift hier die reellen Umstände weit von den Vorstellungen der Damen und Herren ab, die solche „kritischen“ Texte vefassen.

Wenn der Deutschen Burschenschaft eine „inhaltliche Nähe zum rechtsextremen Milieu“ unterstellt wird, so fällt außerdem nicht nur die offensichtliche personelle Nähe zum rechtsextremen Milieu unter den Tisch, sondern auch eine Selbstkritik des nationalistischen und völkischen Selbstverständnis der restlichen Korporationen.

Was ist „offensichtlich“? Weil es bei einem Personenkreis von weit über 100.000 Menschen eine handvoll Deppen gibt kann man noch lange nicht von einer personellen Nähe sprechen. Auch stellt sich die Frage, wie die Autoren des Pamphlets auf die Idee kommen, dass das Verbindungswesen per se nationalisitisch und völkisch ausgerichtet sei.

Kritik in allen Ehren, sie ist in einer gesunden demokratischen Gesellschaft wichtig und richtig. Was die Autoren hier allerdings geschrieben haben, ist weder überlegt, reflektiert, noch durchdacht. Die Grenzen der Niveaulosigkeit wurden hier weit überschritten.

Soweit nicht anderes gekennzeichnet, beziehen sich die Zitate auf den Artikel „Waffenbrüder gespalten“, URL http://coburgerconvent.blogsport.de/2011/11/17/waffenbrueder-gespalten/, letzter Zugriff am 22.11.2011)

Ein Gedanke zu „Was uns die „Dönermorde“ nun also auch über das Verbindungswesen sagen…

  1. Zitat aus (http://coburgerconvent.blogsport.de/waffenbrüder gespalten): „…spricht die Gleichsetzung der rechten Hassideologie mit freiheitlicher linker Politik von einem mehr als seltsamen Menschlichkeitsverständnis….“ –
    Hier ist ein Hebel in der Öffentlichkeit anzusetzen! Die Vokabeln „freiheitlich“ und „links“ gehören historisch wie aktuell nicht zusammen. Wer unbedacht (oder vielleicht sogar bewußt) hochmanupulativ solch unpassende Assoziationen erwecken möchte, der macht sich angreifbar! – Hier werden gegenübergestellt: „rechte Hassideologie“ auf der einen und „freiheitliche linke Politik“ (Anmerkung des Verfassers: Wuha-Wuhaha-> Da kann ich mir ein Lachen nicht unterdrücken…) auf der anderen Seite. Für mich stellt sich die Realität an den meisten Universitätsstädten anders dar: Hier gibt es einerseits eine homogene linke Hassideologie mit massiven Verknüpfungen zu Gruppierungen, die sich jenseits unserer Verfassung stellen; eine linke Hassideologie, die zwar nicht von der Mehrheit der (meist uninteressierten) Studierenden gewählt wird, aber dennoch den größten Teil der der Allgemeinheit auferlegten Kosten ausschließlich in „Agitprop“ investiert. Auf der anderen Seite gibt es heterogene Gruppen, die sich der freiheitlichen-konservativen Politik verschrieben haben. Im Gegensatz zu den meisten „ASTA“en, existiert in den Korporationen eine (seit fast 200 funktionierende…) Basisdemokratie. Gegensätzliche Meinungen werden dort ausdiskutiert und nicht „weggeprügelt“ oder „weggepfiffen“. Die Linksfaschisten, die sich zwar rechtlich aber eben nicht faktisch begründet als Studierendenvertretung bezeichnen, sind in großer Mehrheit mit militanten Gruppen („schwarzer Block“…) verbandelt. Seit meinem Studienbeginn traf ich ausnahmslos auf linke Hassideologie (mit Sachbeschädigung, Körperverletzung, versuchten Totschlages, Nötigung, Beleidigung, Hausfriedensbruch,….) auf der einen Seite und (teilweise) hitzige Debatten mit einem Grundrespekt vor der Meinung des Anderen in Korporationskreisen. Diesen „Mißklang“ gilt es, in die Öffentlichkeit zu bringen. Zeigt doch, „wer“ da spricht: Linksfaschisten, Pöbelpropagandisten, politisch mit zumindest einem Bein jenseits unserer Verfassung stehende Hassideologien, ….

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