Dresden lud zum Tanz… gleich mehrfach!

Akademikerbälle, organisiert durch Studentenverbindungen, haben den Hang, massive Proteste anzuziehen. Wien scheint im Januar – wenn man den Fotos glauben darf, die in den Medien kursieren – um die Hofburg herum einem kleinen Kriegsschauplatz zu gleichen. Das Aufgebot verbindungsfeindlicher Demonstranten ist jedes Jahr aufs Neue sehr groß… und immer hat man irgendwie das Gefühl, die Damen und Herren hätten nicht so recht verstanden, wogegen sie überhaupt demonstrieren. Vielleicht interessiert es sie aber auch nicht so wirklich.

Auch in Dresden fand am letzten Wochenende ein solcher Akademikerball statt. Die im Vorfeld angekündigten Proteste sollten Wirkung zeigen. Man bereitete sich gefühlt gut auf diesen Abend vor. Seitens der Verbindungsgegner gab es Plakataktionen in Dreden, wonach man das Ballhaus gar hätte „angreifen“ wollen.

Ein offener Brief der Gruppe e*vibes sollte den Vermietern des Festsaals ins Gewissen reden und den doch so ewig gestrigen und frauenfeindlichen Studentenverbindungen Dresdens – darunter auch eine gemischte und eine reine Damenverbindung! – das Mietverhältnis für den Ballabend aufkündigen.

Falls Sie Genaueres zu unserem Selbstverständnis erfahren möchten, besuchen Sie gerne unsere Website unter evibes.blogsport.de.

So schloss der Brief, doch darf bezweifelt werden, dass man tatsächlich an dem Selbstverständnis dieser Gruppe interessiert sein sollte. Ich persönlich kann solchen Gruppierungen keine sonderliche Ernsthaftigkeit zuteil werden lassen, wenn man noch nicht einmal namentlich hinter dem stehen kann, was man doch so sehr bemängelt. Eine solche gesellschaftliche Kritikmöglichkeit ist doch DIE Errungenschaft unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung, welche dem Verbindungswesen in Dresden durch den offenen Brief abgesprochen wird.  So heißt es dort:

In ihrer öffentlichen Stellungnahme zum Dresdner Akademikerball bekennt sich die GFSK wie selbstverständlich zur Freiheitlich Demokratischen Grundordnung. Die darin aufgeführten Menschenrechte scheint sie „überlesen“ zu haben.

Auch rief die Dresdener Antifa zu Protesten gegen diesen Ball auf und schreibt in einem Aufruf:

Das Ball – und Brauhaus Watzke, welches in den Weltkriegen als Soldatenunterkunft diente, fühlt sich vermutlich heute noch seiner nationalen und reaktionären Tradition verpflichtet.

Eingedenk der Tatsache, dass sich die Stadt Dresden über gute vier Jahrzehnte in der politischen Obhut eines menschenverachtenden Systems befand, dürfte diese Aussage wohl ziemlich unüberlegt erscheinen lassen. Und tatsächlich wurde das Gebäude ab 1950 staatlich genutzt. So heißt zu den historischen Begebenheiten des Ballhauses auf dessen Webseite:

Subventionierte HO-Gaststätten und Kulturanbieter nehmen den privaten Betreibern die Möglichkeiten, so dass sich Alma Watzke gezwungen sieht, das Objekt als Lagerhalle für HO-Sportartikel freizugeben.

Für mich klingt es nicht so, dass sich die Familie Watzke irgendwelchen nationalen und reaktionären Traditionen verpflichtet gesehen hätte.

Das Libertäre Netzwerk Dresden lud zu einer konkreten Gegenveranstaltung vor den Hallen des Ballhauses ein:

Bei uns gibt es mehr als  zwei Geschlechter; und wenn gewollt mehr als eine Liebesbeziehung. Tanze  mit wem und wie du willst, niemand wird dich komisch ansehen; niemand  muss “führen” oder “sich führen lassen” wenn  sie_er es nicht will und  was bitte sollen “Herren- und Damenschritte” sein?  (…)  In diesem Sinne bist DU herzlich eingeladen, mit uns zusammen hier vor dem  Ball- und Brauhaus Watzke ein Tänzchen zu wagen 🙂

Na immerhin klang das nach einer Alternative zu dem wohl organisierten Festball. Der Anklang dieser Alternativ-Veranstaltung war ja auch überwältigend, wie dieses Foto beweist:

Man läd zu einem öffentlichen Tanz...
Man läd zu einem öffentlichen Tanz…

In der Politik würde man versuchen, ein solches Ergebnis irgendwie schön zu reden. Der aktuelle Fußball-Bundestrainer würde das zunächst einmal analysieren wollen, um zu sehen, woran es denn lag. Nach den durchschlagend anmutenden Vorbereitungen dieser Protestveranstaltung sowohl im Internet, als auch an verschiedenen Brücken und Zäunen der Landeshauptstadt, dürfte ein solches Ergebnis wohl recht klar zu deuten sein: Solche Hetzkampagnen interessieren wohl heute keine Sau mehr. Und ehrlich, selbst im Verbindungswesen gibt es wahrlich andere Sorgen und Probleme.

Aber um der Fairness keinen Abbruch zu tun, sah das Bild vor dem Haus der Tanzveranstaltung kurze Zeit später vorübergehend so aus:

Man läd zu einem öffentlichen Tanz... später am Abend
Man läd zu einem öffentlichen Tanz… später am Abend

In diesem Zusammenhang sei aber gesagt: Mir persönlich gefallen auf Verbindungshäusern bunte Abende am besten. Das Schwarz und Rosa der Protestgruppen wäre den meisten Verbindungsstudenten dann doch irgendwie zu fad.

 

P.S: In diesem Zusammenhang ergeht ein großer Dank an die Übermittlung der Fotos.

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