Jun 282011
 

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Den meisten unserer Landsleute sind Studentenverbindungen recht egal. Man nimmt sie zur Kenntnis und lässt sie ziehen. Diejenigen, die sich aber zum Verbindungswesen doch eine Meinung bilden, tun dies nicht selten aufgrund von Halbwissen und Vorurteilen, welches man an verschiedenen Ecken aufgesammelt hat. Oftmals kommt dann so etwas heraus wie bei dem Blog Nichgeburtstag, der von zwei Kölner Journalistik-Studentinnen betrieben wird.

Falsche Fakten

Ehre, Freiheit, Vaterland ist der Blogartikel betitelt, der das Bild aufzeigt, das viele Verbindungskritiker aufgrund von falschen Fakten und kaum hinterfragten Vorurteilen vom Farbenstudententum haben. So kann sich die Autorin kaum vorstellen, dass

(…) es aber in Deutschland im Jahr 2011 allein unter dem Dachverband Deutsche Burschenschaft 123 Mitgliedsvereinigungen gibt, kann man sich kaum vorstellen. In Köln gibt es die Germania, Wartburg, Ascania, Alemannia, Sugambria, Suevia und garantiert noch viele mehr.

Auch ich kann mir das nicht vorstellen, weil das so auch einfach nicht stimmt. Rund 30 der 123 Bünde der Deutschen Burschenschaft (DB) sind in Österreich zuhause, nicht in Deutschland. Von den genannten Kölner Burschenschaften sind gerade einmal drei im DB-Dachverband organisiert: Die Kölner Burschenschaften Germania, Alemannia und Wartburg.

Die B! Ascania ist als nichtschlagender Bund sicherlich nicht in der DB Mitglied - sie setzt das schlagende Prinzip voraus. Die B! Sugambria (ebenfalls nicht-schlagend) ist im Schwarzburgbund organisiert und die Leipziger B! Suevia ist zwar schlagend, aber nicht in der DB, sondern in der Neuen Deutschen Burschenschaft Mitglied.  Neben diesen sechs, gibt es rund 40 weitere aktive und inaktive Bünde verschiedenster Art in Köln. Die meisten der genannten Informationen sind recht einfach über die Webseite der DB oder über die gängigen Verbindungsverzeichnisse zu recherchieren.

Ebenfalls wäre es ein Leichtes gewesen, die Umstände um den vergangenen diesjährigen Eisenacher Burschentag (der Mitgliesbünde der DB)  zu durchleuchten. So stand der Burschentag nicht unter dem Motto “Deutschland, Ehre, Vaterland”, wie es die Autorin beschreibt. Der Titel des Burschentags lautete “Mit vereinten Kräften”. “Ehre, Freiheit, Vaterland” ist der Wahlspruch der Deutschen Burschenschaft.

Weiter konstatiert die Blogschreiberin,

“dass viele Burschenschaften unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehen”.

In den bisherigen, mir für 2010 bekannten Verfassungsschutzberichten, wird keine einzige Burschenschaft bzw. Studentenverbindung als beobachtet deklariert. Ich muss allerdings zugeben, dass mir bisher noch zwei oder drei der Berichte für das abgelaufene Kalenderjahr fehlen.

Auch waren es in der Vergangenheit immer nur vereinzelte Verbindungen, die in den Augenschein des Verfassungsschutzes geraten sind. In aller Regel werden sie aber auch nach ein oder zwei Berichtsjahren wieder aus den Berichten genommen, weil sich die Verdachtsmomente nicht bestätigen konnten, oder die Umstände einer etwaig ungesunden Rechtslastigkeit bereinigt wurden. Dass viele Burschenschaften beobachtet würden, gehört so in das Reich der Fabeln.

Facetten deutscher Geschichte

Eine falsche Faktengrundlage geht in diesem Blogartikel aber auch einher mit einer etwas kruden, aber gängigen Vorstellung deutscher Geschichte. Ich habe oft den Eindruck, man würde die Historie unseres Landes in zwei Teile spalten: Alles vor 1945 war Nazi, alles nach 1945 wäre das Jetzt (aber oft trotzdem Nazi).

Dass das ganze mit seinen übertrieben vielen Deutschlandfahnen, dem Aufnahmeverbot für Immigranten und dem Duellieren irgendwie ganz schön an die Zeit vor 45 erinnert, ist den Burschenschaftlern selbst natürlich nicht bewusst.

Die Geschichte unseres Landes hatte in den vergangenen 200 Jahren viele schöne, aber auch eben weniger schöne Facetten. Sicher waren aber die zwölf Jahre Nationalsozialismus zweifelsohne die dunkelsten Jahre Deutschlands. Duelle waren allerdings bereits 1933 aus der Mode – vor allem mit Hieb- bzw Stichwaffen. Was Fahnen und andere nationale Symbole betrifft, so sind wir wohl heute das weltweit verklemmteste Land der Welt. Lediglich im Sport zeigen wir stolz die farbigen Flaggen oder Schals unserer Lieblingsvereine.

Darüber hinaus fehlt der Autorin offenbar auch die Gabe, sich in die Umstände anderer Zeiten einzuleben. Immigration war “vor 1945″ ein ganz anderes Thema, als zu unserer heutigen, mobilen Zeit. Ich wage zu bahaupten, dass es damals kaum, zumindest weitaus weniger Migration gab. D.h. Ausländer waren vor 100 Jahren noch viel fremder als sie es heute sind. Gehören Immigranten heute zum normalen Bild in Deutschlands Städten, waren sie vor gur 100 Jahren noch etwas ganz Besonderes und Exotisches.

Namen Korporierter

Gerne bringt man Namen mit ins Spiel, wenn es darum geht, das Verbindungswesen in irgendeiner Art und Weise zu begründen:

Burschenschaften bringen immer wieder relativ namhafte Menschen hervor, auch wenn die meisten davon bereits ein paar hundert Jahre tot sind. Lebende Überbleibsel sind beispielsweise Kai Diekmann, Chefredakteur bei der Bild, und CSU-Mann Peter Ramsauer. Dass wahrscheinlich die Hälfte unserere Regierung und die meisten großen Wirtschaftsvorsitzenden Burschenschaften entspringen, ist nur so eine Vermutung. Aber wer einen Namen wie Guttenberg oder Bosch trägt, kam wohl während dem Studium nicht um Uniform

Dass die Blogautorin die Begrifflichkeiten Burschenschaft und Studentenverbindung durcheinander wirbelt, ist im ganze Text recht offensichtlich. Ich frage mich allerdings, warum hier immer nur die üblichen Namen Korporierter genannt werden. Warum nicht einmal – ganz aktuell – der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann aus Baden-Württemberg, der als Student in der Katholischen Studentenverbindung Carolingia zu Hohenheim (organisiert im CV) aktiv war. Warum nicht auch einmal einer der großen Begründer linker Politik, Karl Marx oder einer der SPD-Gründungsväter Ferdinand Lassalle?!

Saufen und Uniformierung

So ganz unreflektiert, wie man anfänglich meinen könnte, ist die Dame allerdings nicht:

Dass es auch irgendwie ganz cool sein kann, will ich gar nicht ausschließen. Nicht alle Burschenschaften müssen unbedingt super rechts geprägt sein. Manche knallen sich auch einfach jeden Abend heftig den Kopf weg und spielen komische Verkleidungsspiele. Aber ist das geil?

Ich bin immerhin schon einmal dankbar für den Erkenntnisgewinn, dass nicht alle Burschenschaften “super rechts” geprägt sein müssen. Ich hoffe aber, dass das lt. der Autorin auch anderen Formen des Verbindungswesens mit einschließt.

Mit einer geltenden 0,3-Promille-Grenze ist ein tägliches Abendbesäufnis nur schwerlich machbar. Sicherlich trinken solche Farbenstudenten, die bspw. auf dem Haus ihrer Verbindung oder in der Nachbarschaft derselben wohnen, gernen öfter einen über den Durst. In Gesellschaft trinkt man eben doch öfter, das will ich an dieser Stelle gar nicht verhehlen. Warum sollte das bei Korporierten auch anders, als beim Rest der Welt? Jedoch gibt es auch zahlreiche Farbenstudenten, die eben nicht auf dem Haus Ihres Bundes leben und daher nicht maßlos saufen könnten, selbst wenn sie es denn wollten. Prinzipiell wird bei Verbindungen aber nicht mehr “gesoffen” als anderswo.

Ob das Verbindungsleben für einen “cool” ist oder gar “geil”, das sei jedem Korporiertem selbst überlassen. Ich habe mir sagen lassen, dass es zwei Kölner Journalistik-Studentinnen cool und geil finden, einen Blog zu betreiben. Andere engagieren sich bei den  Freimaurern, dem Fußballverbein, dem Schachclub oder organisieren bei den Rotariern Spendenaktionen. Ich glaube, die kann man alle leben lassen. Bislang konnte es mir allerdings noch niemand erklären, warum es zweifelhaft sein soll, wenn man sich ausgerechnet in einer Verbindung das Trikot… Entschuldigung!… das Band überstreift. Das farbige Band oder der Wichs sind Erkennungsmerkmale, wie man sie bei jedem Sport und zunehmend sogar in Unternehmen entdecken kann. Nichts Außergwöhnliches also.

Fazit

Ich unterstelle der Autorin noch nicht einmal eine große Feindseligkeit oder Boshaftigkeit  gegenüber dem Verbindungswesen, dafür versucht sie sich zu sehr darin, zu differenzieren. Die Glaubürdigkeit sinkt jedoch für den versierten Leser aufgrund der falschen Fakten, von der die Schreiberin ausgeht.

Leider ist es aber auch genau dieses falsche Bild, das über das Verbindungswesen oftmals kursiert. Ich will die Autorin dafür auch gar nicht an den Pranger stellen. Im Gegenteil, bin ich sogar irgendwie dankbar dafür, dass sie dieses gängig-falsche Bild so treffend beschrieben hat. Ich würde ihr jedoch vorschlagen, einmal das eine oder andere Verbindungsheim zu besuchen. Ich glaube, der sachliche und persönliche Erkenntnisgewinn wären immens. Mich würde ernsthaft interessieren, was die Dame nach solchen Besuchen zu schreiben hätte.

Die genannten Zitate beziehen sich auf den Blogartikel unter der URL http://nichgeburtstag.de/2011/06/27/ehre-freiheit-vaterland (Zugriff am 27.06.2011)

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  12 Responses to “Nichgeburtstag – Eine leider gängige Vorstellung vom Verbindungswesen”

Comments (12)
  1. Netter Artikel!

    Nur zu Anmerkung: Es gibt in Köln außerdem noch die Burschenschaft Suevia, die meines Wissens nach Mitglied der “Neuen Deutschen Burschenschaft” ist.

    Grüße aus Köln vom KStV Suevia

  2. Schön, dass ihr meine Meinung mit eurem Leugnen und Hetzen bestätigt.
    Macht nur weiter so.

    Und: Vielleicht schaut ihr euch die angegebenen Quellen einfach mal an, statt mich als Lügner zu bezeichnen.

  3. Lara,

    auf dieser Seite hat Dich niemand Lügnerin dargestellt, geleugnet oder gehetzt. Mein Blogartikel hat lediglich Deine Falschangaben halbwegs versucht zu begradigen.

    Die Quellen sieh Dir bitte selbst einmal an. Du kannst doch nicht ernsthaft eine Quelle vom Spiegel mit einer von Indymedia umkommentiert gleichstellen wollen, oder? Sieh Dir auf der anderen Seite auch einmal an, von wann Deine Quellen teils sind und wie sich einzelne Sachverhalte in der Zwischenzeit aufgeklärt haben.

    Gruß,
    Der Burschireader

  4. Dankeschön für den Hinweis, KStV.

    Man hat mich auch schon an anderer Stelle auf den Fehler hingewiesen. Tatsächlich war der NDB-Bund gemeint und ich habe den Artikel entsprechend angepasst. Ich bin ja auch nicht unfehlbar. :-)

  5. Ach ja, uns gibt’s ja auch noch ;)

    Tolle Seite! Übrigens war am Samstag im Kölner Stadtanzeiger eine Reportage über das aktuelle Thema und auch NeueDB, kann ich Dir gerne zukommen lassen Burschireader!

    Beste Grüße!

  6. Ach ja, uns gibt’s ja auch noch ;)

    Tolle Seite! Übrigens war am Samstag im Kölner Stadtanzeiger eine Reportage über das aktuelle Thema und auch NeueDB, kann ich Dir gerne zukommen lassen Burschireader!

    Beste Grüße!

  7. Nett ist auch das Nora, eine der Gastautorinnen, auch mal wieder die “Elite”-Keule auspackt – und dabei natürlich zu erwähnen “vergisst”, dass die Autoren dieses Blogs an einer sündhaft teuren privaten Hochschule studieren, statt an einer weniger elitären öffentlichen Uni und dass diese Hochschule, ganz dem Gleichbehandlungs- und Nicht-Diskriminierungsgedanken folgend, für Nicht-EU-Bürger auf die saftigen Studiengebühren noch mal draufsattelt… Jaja,. die bösen “Eliten”…
    Lara “rechtfertigt” ihre Unwahrheiten und Unterstellungen ja damit, dass sie ihre MEINUNG schreibt und schließlich Meinungsfreiheit herrscht. Selbstverständlich gilt die aber nicht für alle, denn während sie mit Beleidigungen und Verleumdungen um sich wirft, veranlassen sie harsche Worte ihrer “Gegner” dazu, DEREN Meinung kurzerhand per Löschung und Sperrung zu zensieren. Offizielle “Begründung”: Der Server sei überlastet… jaja…

  8. Ich habe ernsthaft versucht diesen Blog zu lesen. Das ist echt schwer! Ist es im Journalismus (ich kenne mich kein bisschen aus) als akzeptiertes Mittel angesehen, zu schreiben, wie man spricht? Muss es wahrscheinlich auch geben – sonst wäre ja alles so verklemmt und uncool.

    lG RM

  9. Haha, habt ihr den “Heul Doch!” Gegen-Eintrag gelesen?
    “Ob von den 123 genannten Mitgliedern der Deutschen Burschenschaft nun 30 in Österreich sitzen, ist doch echt schnuppe.” könnte man auch als Bekenntnis zum Großdeutschen Reich auslegen, wäre man stark links angehaucht.

  10. @holger: Sie schreibt

    Irgendwie verstörend ist allerdings auch, dass die drei Kommentare, auf die ich bisher geantwortet habe, umgehend gelöscht wurden… Da hat man dann wohl gemerkt, dass man sich selbst mit sexistischen und nationalistischen Kommentaren nicht ins allerbeste Licht stellt!

    wer hat denn jetzt die kommentare gelöscht?

  11. Dem möchte ich nochmals kurz zur Erklärung hinzufügen: Auf dem Burschireader-Blog wurden gar keine Kommentare gelöscht. Sie wurden allenfalls mangels Authentifizierung nicht freigeschaltet.

    Der Burschireader

  12. SIE (Lara) behauptet aber steif und fest, dass ihre Kommentare HIER gelöscht wurden.

    Naja. Ich habe jedenfalls, nachdem die Trullas zwei meiner eMail-Adressen schon gesperrt hatten weil ihnen meine Kommentare nicht gefielen (war nix übles dran, hab Screenshots gemacht, falls Beleg gewünscht wird) einen bewusst übel formulierten Eintrag in deren Blog gepostet, in dem ich in wenigen Zeilen richtig deftig über diese “scheiß Korpos” hergezogen habe und ALLE Vorurteile verwurstet habe, die man finden kann.
    DA war die “Serverüberlastung” offenbar nicht sooooo schlimm, der Pöbelkommentar wurde jedenfalls Null-Komma-Nix freigeschaltet und erst einige Tage später, als ich mich “zu erkennen” gegeben hatte, zusammen mit der schon erwähnten Standard “Du-warst-böse”-eMail und Sperrung dann auch DER eMail-Adresse, gelöscht.
    Peinlicher gehts wirklich nicht…

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