Jan 172011
 

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Eine Gruppe, die sich Linke und kritische StudentInnen (LukS) nennt, fordert in einem offenen Brief den Rektor der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Prof. Dr. Karl-Dieter Grüske) auf, auf Distanz zu den örtlichen Studentenverbindungen zu gehen. Bereits in der Einleitung der der Webseite “Offener Brief an die FAU Erlangen Nürnberg zu studentischen Verbindungen” werden allerhand Problemstellungen hinsichtlich des Verbindungswesens angekündigt, die für eine solche Distanzierung sprechen würden.

Es heißt dort:

Heute ver­öf­fent­lich­ten wir einen Of­fe­nen Brief zu stu­den­ti­schen Ver­bin­dun­gen an der FAU Er­lan­gen-Nürn­berg. In die­sem Brief zeich­nen wir zum einen die Pro­ble­ma­tik der stu­den­ti­schen Ver­bin­dun­gen nach, ihr ver­al­te­tes, tra­di­tio­na­lis­ti­sches, eli­tä­res und frau­en­ver­ach­ten­des Welt­bild. Zum an­de­ren for­dern wir die Uni­ver­si­tät auf den Kor­po­ra­tio­nen jeg­li­chen Raum zu neh­men.

Ich war gespannt! Der offene Brief wie folgt und kommentiert:

Sehr ge­ehr­te Frau Ha­be­rer, sehr ge­ehr­ter Herr Grüs­ke,

Schon alleine hier offenbart es sich, dass die Autoren keinerlei Ahnung vom Universitätsleben haben. Gerade wenn es sich um einen Brief im akademischen Milieu handelt und auch dann, wenn er von der politischen Linken kommt, so dürfte eine gewisse Form zu erwarten sein. Ob Frau Prof. Haberer und Herr Prof. Grüske an dieser Stelle überhaupt weiter lesen werden, steht in den Sternen. Ich habe es aber getan…

mit Ent­set­zen muss­ten wir fest­stel­len, dass die of­fi­zi­el­le In­ter­net­sei­te der FAU Er­lan­gen-Nürn­berg die In­ter­net­sei­ten aller stu­den­ti­schen Ver­bin­dun­gen unter dem Titel: „Von Stu­die­ren­den für Stu­die­ren­de“ ver­linkt. [Der Link dazu findet sich hier; Anmerkung von "Burschireader"] Dabei stellt sich die Frage, was unter einer stu­den­ti­schen Ver­bin­dung ei­gent­lich genau zu ver­ste­hen ist. Es han­delt sich bei all die­sen Ver­bin­dun­gen (auch Kor­po­ra­tio­nen ge­nannt) um Grup­pen, die ei­ni­ge Ge­mein­sam­kei­ten auf­wei­sen: Dazu zählt ins­be­son­de­re das Le­bens­bund­prin­zip, was eine le­bens­lan­ge Mit­glied­schaft in einer Ver­bin­dung be­deu­tet. Wer ein­mal Mit­glied ist, bleibt es ein Leben lang und kommt so ein­fach nicht mehr aus ihr her­aus.

Aha! Ich wüsste nicht, was einen Farbenbruder daran hindern sollte, aus seinem Bund auszutreten, also seine Farben nieder zu legen. Studentenverbindungen sind in aller Regel Vereine und keine okkulten Sekten. Allerdings sollten sich die Autoren solcher Briefe einmal darüber nachdenken, warum es so wenige Austritte im Verbindungswesen gibt. Vielleicht liegt es daran, dass das System Studentenverbindung einfach auch heute noch funktioniert.

Wei­te­re Merk­ma­le sind die Fi­xie­rung auf über­kom­me­ne Tra­di­tio­nen, wie Fei­er­ri­ten, in denen vor allem neue Mit­glie­der oft bis zur Al­ko­hol­ver­gif­tung trin­ken müs­sen…

Traditionen beruhen immer auf Überkommenem und haben aus heutiger Sicht im Grunde wenig Sinn. Dennoch erinnern wir uns oft vergangener Tagen (die historisch bis unglaublich weit vor das Dritte Reich zurückreichen!), auch um aus diesen unsere Lehren für Gegenwart und Zukunft zu ziehen. Alkoholvergiftungen im Sinne vom Komasaufen, was hier wohl gemeint sein soll, sind sicherlich kein Problem, das aus dem Verbindungswesen kommt. Erfahrungsgemäß wird in Studentenverbindungen auch nicht mehr getrunken, als anderswo.

… oder das Prin­zip einer ab­ge­stuf­ten Mit­glied­schaft, was die streng hier­ar­chi­sche Ord­nung der Kor­po­ra­tio­nen ver­deut­licht. Neue Mit­glie­der sind im ers­ten Jahr sog. Füxe, denen Ihr Sta­tus oft auf bru­tals­te und ver­ach­tens­wer­tes­te Weise ver­deut­licht wird, frei nach dem Spruch: „Nach oben bu­ckeln und nach unten tre­ten“.

Mir ist kein Fall bekannt, in dem Füxe, so wie es hier versucht wird darzustellen, in irgend einer Art und Weise misshandelt würden. Im Gegenteil ist es die Fuxenzeit, nach denen sich Alte Herren gerne zurück sehnen. Die Restriktionen, die man als Fux erleben muss, werden widerum durch ein hohes Maß an Freiheiten und Gesellschaftserlebnissen aufgewogen. Noch nie habe ich es erlebt, dass nach ‘unten gebuckelt’ worden wäre. Die Autoren des Briefes scheinen zuvor wohl einmal zu oft Heinrich Manns “Der Untertan” gelesen zu haben.

Ge­gen­über die­sen Ge­mein­sam­kei­ten schei­nen uns die Un­ter­schie­de der Ver­bin­dun­gen, etwa ob sie Far­ben tra­gen oder ob es sich bei ihnen um schla­gen­de Kor­po­ra­tio­nen han­delt, nicht wirk­lich er­heb­lich.

Mir scheint, dass die Briefeschreiber Fakten gerne mit Mutmaßungen unterstreichen, insbesondere dann, wenn wirliche Argumente nicht greifbar sind. Dieser Satz – macht er an dieser Stelle und in dem ganzen Brief ohnehin keinen Sinn -, zeugen von der offensichtlich nicht vorhandenen farbenstudentischen Bildung.

Hinzu kommt, dass die meis­ten stu­den­ti­schen Ver­bin­dun­gen nur männ­li­che Mit­glie­der zu­las­sen, dass sie sich als eli­tä­re Ge­mein­schaf­ten ver­ste­hen, die auf Be­fehl und Ge­hor­sam be­ru­hen und kei­nen Hehl dar­aus ma­chen, eine frau­en­ver­ach­ten­de, dis­kri­mi­nie­ren­de und völ­kisch-na­tio­na­lis­ti­sche Ein­stel­lung zu ver­tre­ten. Dies wird durch ihre Ge­schich­te, ihre Pu­bli­ka­tio­nen, ihre Wahl­sprü­che, ihre Ver­an­stal­tun­gen, der Zu­ge­hö­rig­keit zu ihrem Dach­ver­band und durch ihre Struk­tur deut­lich be­legt.

Studentenverbindungen sind generell weder völkisch-national eingestellt, militant noch möchtegern-elitär. Ebenso kenne ich keine Verbindungen oder Bundes- bzw. Farbenbrüder, die frauendiskriminierend wären. Nur weil viele Verbindungen keine Damen aufnehmen, so heißt es noch lange nicht, dass sie sie verachten oder als minderwertig erachten würden. Es ist in diesem Zusammenhang auch sehr einfach, dererlei Hetzparolen durch Hinweise auf Historie, Publikationen, Wahlsprüche, Veranstaltungen, Dachverbände oder Strukturen in den Raum zu werfen, wenn diese nicht weiter benannt oder durch Quellangaben begründet werden. Dies erinnert sehr an Porpaganda vergangener Tage.

So wei­sen Kor­po­ra­tio­nen Merk­ma­le auf, die einer frei­en und de­mo­kra­ti­schen Struk­tu­rie­rung der Ge­sell­schaft deut­lich wi­der­spre­chen. Auch mit dem Leit­bild der Fried­rich-Alex­an­der-Uni­ver­si­tät Er­lan­gen-Nürn­berg kol­li­diert diese Ideo­lo­gie deut­lich. Dort heißt es zum einem: „Im Mit­tel­punkt steht die wis­sens-? und me­tho­den­ba­sier­te Aus­bil­dung der Stu­die­ren­den zu kri­ti­schen, ei­gen­ver­ant­wort­li­chen Per­sön­lich­kei­ten, die ihre er­wor­be­nen Fä­hig­kei­ten und Kennt­nis­se selb­stän­dig, ver­ant­wor­tungs­voll und zum Wohl der Ge­sell­schaft an­wen­den.“ Wei­ter­hin heißt es im Leit­bild: „Als welt­of­fe­ne und in­ter­na­tio­nal aus­ge­rich­te­te Uni­ver­si­tät ist die FAU dem ge­gen­sei­ti­gen Ver­ständ­nis der Na­tio­nen und Kul­tu­ren ver­pflich­tet. Sie för­dert Wis­sens­trans­fer und Mo­bi­li­tät sowie per­sön­li­chen Aus­tausch in For­schung und Lehre. Stu­die­ren­de, Wis­sen­schaft­ler und Wis­sen­schaft­le­rin­nen aller Län­der er­hal­ten jede Mög­lich­keit, sich in das uni­ver­si­tä­re Leben ein­zu­brin­gen.“ Beide As­pek­te des Leit­bil­des wi­der­spre­chen der Ideo­lo­gie und den Hand­lun­gen der Kor­po­ra­tio­nen aufs Schärfs­te.

Wer solche Behauptungen in den Raum wirft, der hat das Verbindungswesen selbst in seinen grundsätzlichsten Manifesten nicht verstanden. Wie jeder andere Verband auch, werden Studentenverbindungen durch das Zusammenwirken vieler Individuen geprägt. Nur als ein Beispiel sei hier die Satzung der Burschenschaft Cimbria Nürnberg zitiert, wo es heißt:

“Die Burschenschaft Cimbria ist [...] parteipolitischer, weltanschaulicher und religiöser Hinsicht frei und unabhängig [und] bekennt sich zur freiheitlichdemokratischen Grundordnung. [...]

Die Burschenschaft Cimbria hat sich die lebenslange Freundschaft aller Bundesbrüder zum Ziel gesetzt. Im Rahmen dieser Zielsetzung sind anzustreben:

  • die Förderung der demokratischen Gesinnung und eines verantwortungsbewussten Staatsbürgertums,
  • die Fortbildung alle Bundesbrüder auf wissenschaftlichen und kulturellen Gebieten,
  • die Studienförderung und -beratung,
  • die Pflege der allgemeinen und studentischen Geselligkeit.”

Dieses Beispiel wiederspricht vollends der Unterstellung von LukS in ihrem offenen Brief. Die Leitbilder anderer Verbindungen entfernen sich von diesem aus meiner persönlichen Erfahrung heraus kaum. Es wäre nicht viel Recherche nötig gewesen, dies auch vor dem Verfassen eines solchen Briefs in Erfahrung zu bringen.

Neben dem Leit­bild gibt die Uni­ver­si­tät Re­geln für die Ge­stal­tung von In­for­ma­tio­nen für das World Wide Web an der Fried­rich-Alex­an­der-Uni­ver­si­tät Er­lan­gen-Nürn­berg vor. So haben Ein­rich­tun­gen der FAU, die mit Hilfe der Tech­ni­ken des In­ter­net In­for­ma­tio­nen Drit­ten ge­gen­über zu­gäng­lich ma­chen, zahl­rei­che Re­geln zu be­ach­ten. Im drit­ten Punkt die­ser Re­geln heißt es: „Der In­halt der Sei­ten bzw. Da­tei­en darf nicht gegen ge­setz­li­che Be­stim­mun­gen ins­be­son­de­re des Da­ten­schutz-, Per­sön­lich­keits-, Ur­he­ber-, Pres­se- und Straf­rechts ver­sto­ßen. Alle be­lei­di­gen­den, ver­leum­de­ri­schen, ver­fas­sungs­feind­li­chen, ras­sis­ti­schen oder por­no­gra­phi­schen Äu­ße­run­gen oder Ab­bil­dun­gen sind ver­bo­ten. Ver­wei­sun­gen (Hy­per­links) auf Quel­len, die sol­che Äu­ße­run­gen oder Ab­bil­dun­gen ent­hal­ten oder ent­hal­ten kön­nen, dür­fen nicht er­fol­gen.“ Bei ge­naue­rer Be­trach­tung di­ver­ser In­ter­net­sei­ten von Er­lan­ger Kor­po­ra­tio­nen lässt sich deut­lich zei­gen, dass diese Regel kei­nes­wegs ein­ge­hal­ten wird. Vor allem ras­sis­ti­sche Pro­pa­gan­da ist des Öf­te­ren auf den Sei­ten der Fran­ko­nia zu lesen. Aber auch der Ver­weis auf die höchstumstrit­te­nen und teil­wei­se als neo­na­zis­tisch und ul­tra-na­tio­na­lis­tisch ein­zu­stu­fen­den Dach­ver­bän­den wi­der­spricht die­sen Re­geln deut­lich.

Gerade der zitierte dritte Punkt der Regeln ist der Grund, warum dieser Brief wohl niemals in dieser Art auf der Webseite der FAU verlinkt werden wird. Er strotzt vor Verleumdung! Auch wenn tatsächlich einmal eine Verbindung als Beispiel genannt wurde, so konnte ich auf den Seiten der Frankonia – ich gehe an dieser Stelle davon aus, dass die Burschenschaft Frankonia in Erlangen gemeint ist – keine rassistischen Passagen finden.

Wer bestimmt eigentlich das Maß dessen, was nazistisch ist oder (ungesund) nationalistisch? Sicherlich nicht eine Gruppe die sich in einem offenen Brief an einen Hochschulrektor wendet. Hier stehen – zurecht! -staatliche Stellen in der Pflicht, die sich entsprechend sehr genauen Untersuchungen annehmen. Alles andere käme einer Hexenjagd gleich, die eben beispielsweise LukS veranstalten möchte.

Ge­ra­de an­ge­sichts der wenig rühm­li­chen Rolle, wel­che die FAU vor 1933 und wäh­rend des sog. Drit­ten Rei­ches ge­spielt hat, soll­te für die Uni­ver­si­tät und ihre Lei­tung An­lass für äu­ßers­te Wach­sam­keit sein.

Eine not­wen­di­ge und rich­ti­ge Fol­ge­rung hat die Uni­ver­si­tät Gie­ßen ge­zo­gen. Sie hat den schla­gen­den Ver­bin­dun­gen jeg­li­che Nut­zung von un­i­in­ter­nen Räum­lich­kei­ten un­ter­sagt, da diese mit dem Leit­bild der Hoch­schu­le in Kon­flikt ste­hen.

Prinzipiell sollten wir als Staat (und damit jeder Staatsbürger) dahingehend wachsam sein! Ob die Entscheidung der Hochschulleitung in Gießen notwendig und richtig war, da steht in den Sternen und ist wahrscheinlich besonderen Umständen in Gießen während dieser Beschlussfassung geschuldet.

Vor allem die pflicht­schla­gen­de und lange Zeit vom Ver­fas­sungs­schutz be­ob­ach­te­te stu­den­ti­sche Ver­bin­dung Fran­ko­ni­a pflegt enge Kon­tak­te zur lo­ka­len Neo­na­zi-Sze­ne. Dies zeigt sich zum einen an den per­so­nel­len Über­schnei­dun­gen zwi­schen der Fran­ko­nia und dem ex­trem rech­ten Frei­en Netz Süd. Dazu kommt noch die Mit­glied­schaft des Ho­lo­caust­leug­ners Ste­fan Böh­mer, von dem sich die Fran­ko­nia bis­her nicht dis­tan­ziert hat.

Prinzipiell würde ich LukS an dieser Stelle mit großem Vorbehalt zustimmen, jedoch frage ich mich immernoch, warum diese eine Verbindung für die zahlreichen anderen sprechen sollte, die an der FAU immatrikuliert sind. Darüber hinaus fehlen Belege und Namen (abgesehen von dem von Herrn Böhmer), die solche Behauptungen untermauern würden. Darüber hinaus muss man auch unterscheiden, was einzelne Farbenbrüder im Verbindungshaus oder im persönlichen Umfeld tun. Nicht jeder Rechtrsextremist läuft in ständiger Sturheit durch die Straßen, um nach Möglichkeiten zur Propaganda-Verbreitung zu suchen.

Wei­ter­hin zeigt sich der enge Kon­takt zur lo­ka­len Neo­na­zi-Sze­ne auch an der Pro­pa­gie­rung ihrer neo­na­zis­ti­schen Ideo­lo­gie, was unter an­de­rem am ak­tu­el­len Bei­trag auf der Start­sei­te der Fran­ko­nia zu er­ken­nen ist. An die­sem Text wird die in­halt­li­che und struk­tu­rel­le Ver­bin­dung zum Neo­na­zis­mus be­son­ders deut­lich.

Einzig die Aussage, dass man jederzeit wieder ‘alle drei Strophen’ des Deutschlandlieds singen würde, gäbe aus diesem Absatz heraus Anlass zur Diskussion. Allerdings muss man hier sehen, aus welcher Intension heraus Fallersleben den Text seinerzeit so geschrieben hat und mit welcher man heute diese Zeilen singen würde. Alleine DASS man sich zu dem Text bekennt, gibt aber noch keinen Anlass für Unterstellungen. In diesem Zusammenhang schreiben die Frankonen auf ihrer Webseite: “Ebenso setzen wir uns für ein Europa gleichberechtigter Völker und Vaterländer in selbstbestimmter Freiheit ein. Andere Völker und deren Traditionen achten wir genauso wie unsere deutsche Nation.”

 Da eine ge­rech­te und freie Bil­dung nur in einer ge­rech­ten und frei­en Ge­sell­schaft mög­lich ist, hal­ten wir das eli­tä­re, frau­en­ver­ach­ten­de und völ­kisch-na­tio­na­lis­ti­sche Welt­bild der stu­den­ti­schen Ver­bin­dun­gen mit dem Bil­dungs­auf­trag der FAU für un­ver­ein­bar.

Und wieder erlebt man die böswillige Pauschverurteilung aller Studentenverbindungen.

Wir for­dern Sie daher auf, zu den hier dar­ge­stell­ten Sach­ver­hal­ten Stel­lung zu neh­men und mit so­for­ti­ger Wir­kung die Ver­lin­kun­gen sämt­li­cher Kor­po­ra­tio­nen auf Ihrer Home­page zu ent­fer­nen und sich die Uni­ver­si­tät Gie­ßen als Vor­bild zu neh­men. Wir for­dern Sie wei­ter­hin auf, zudem den schla­gen­den und tra­di­tio­na­lis­ti­schen Ver­bin­dun­gen jeg­li­che Nut­zung von Uni­ver­si­täts­räum­lich­kei­ten zu un­ter­sa­gen. Geben Sie die­sen Grup­pen kei­nen Raum für Ihre rück­wärts­ge­wand­te und re­ak­tio­nä­re Ideo­lo­gie.

Korrekt wäre es an dieser Stelle, eine Richtigstellung von dem Erlanger Rektorat zu fordern. Pauschalierte Sachverhalte zu kommentieren dürfte fern akademischer Prinzipien sein. Warum sollten sich Herr Professor Grüske und Frau Professorin Haberer die Zeit dazu nehmen, solcherlei unfundierte Unterstellungen zu kommentieren?

Bitte be­ach­ten Sie zudem, dass die­ser Brief­wech­sel von uns öf­fent­lich ge­führt wird und wir die­ses An­schrei­ben wie auch Ihre even­tu­el­le Ant­wort zu Zwe­cken der Do­ku­men­ta­ti­on und Auf­klä­rung ver­öf­fent­li­chen.

Mit solcherlei Drohungen und Einschüchterungsversuchen erreicht man hierzulande – Gott sei Dank! – eher wenig. Eine offene und vor allem faire Diskussion käme sicherlich zu einem Ergebnis. Dieser “offene Brief” aber kann hoffentlich nur in der Versenkung verschwinden.

Mit freund­li­chem Gruß
LukS (Linke und kri­ti­sche Stu­den­tIn­nen)

Die­ser Brief, sein In­halt und seine For­de­run­gen wer­den un­ter­stützt von fol­gen­den Grup­pen und Ein­zel­per­so­nen:

AK Ohm gegen Rechts
Banda Si­nis­tra Er­lan­gen
Bil­dungs­pro­test Er­lan­gen
Bil­dungs­streik­bünd­nis Nürn­berg
Die Linke, Kreis­vor­stand Er­lan­gen-Höch­stadt
Flücht­lings­un­ter­stüt­zung Er­lan­gen (Flun­terl)
Ge­werk­schaft Er­zie­hung Wis­sen­schaft (GEW), Kreis­ver­band Er­lan­gen
Grüne Hoch­schul­grup­pe Er­lan­gen
Grüne Liste Stadt­rats­frak­ti­on Er­lan­gen
Stadt­rats­frak­ti­on Er­lan­ger Linke
Selbst­ver­wal­te­tes Ju­gend­haus Er­lan­gen
Ver­ein zur För­de­rung al­ter­na­ti­ver Me­di­en (Er­lan­gen)
XV – In­itia­ti­ve gegen Stu­den­ti­sche Ver­bin­dun­gen
Prof. Dr.-Ing. Elmar Nöth, Tech­ni­sche Fa­kul­tät, De­part­ment In­for­ma­tik
Dr. Chris­toph Ha­fer­burg, In­sti­tut für Geo­gra­phie
Andrè Gaul, TU Ber­lin, In­sti­tut für Ma­the­ma­tik
Prof. Dr. Theo­dor Ebert, In­sti­tut für Phi­lo­so­phie
Leo Ro­epert

Selbst diejenigen aus der Liste, die bisher eine gute Reputation hatten, dürften durch ihr Bekenntnis zu diesem offenen Brief wahrscheinlich angeschlagen sein.

Auf der Seite der FAU sind rund 20 Studentenverbindungen aufgeführt und verlinkt. Die pauschale Verurteilung durch den offenen Brief von LukS werden alle diese ohne jegliche Grundlage in ein unseriöses, rechtes, staats- und gesellschaftsfeindliches Licht gerückt. Gerade von (angehenden) Akademikern muss Besseres zu erwarten sein!

Wenn solche Pauschalverurteiler mit ihrer falsch verstandenen Ideologie künftig unser Land führen sollen, dann stehen uns wahrlich düstere Zeiten bevor. Mit Wissenschaftlichkeit hat ein solches Auftreten rein gar nichts zu tun!


Nachtrag (12.04.2011)

Offenbar hat die Leitung der Universität bislang nicht auf das Schreiben von LukS & Co. reagiert. Die Stadtratsfraktion der Grünen in Erlangen hat sich daher nochmals an die Prof. Grüske und Prof. Haberer gewandt. Gelernt hat man zumindest aus den formalen Fehlern nichts, inhaltlich scheint man zwischenzeitlich zumindest zu Kompromissen bereit.

?Sehr ge­ehr­te Frau Ha­be­rer, sehr ge­ehr­ter Herr Grüs­ke,

Den formalen bzw. protokollarischen Fehler aus dem ersten Brief hat man offenbar beibehalten. Vielleicht wird das Uni-Rektorat das Schreiben aber zumindest wegen des Absenders beantworten.

im Januar haben wir mit anderen Organisationen und Parteigruppierungen in einem Offenen Brief auf die Verlinkung der offiziellen Internetseite der FAU Er­lan­gen-Nürn­berg mit studentischen Verbindungen hingewiesen. Unter dem Titel: „Von Stu­die­ren­den für Stu­die­ren­de“ werden verschiedene Erlanger Verbindungen / Korporationen verlinkt, auch die Erlanger Burschenschaft Frankonia. Diese Links befinden sich immer noch auf der FAU-Webseite.

Das ist grundsätzlich auch gut so. Zumindest an den älteren Universitäten, wie eben die in Erlangen-Nürnberg gehören Verbindungen zum Bild der Anstalten.

Abgesehen von der Frage, ob das Weltbild von Studentenverbindungen mit dem einer weltoffenen Universität vereinbar ist, irritiert uns besonders der Hinweis auf die Burschenschaft Frankonia. Bekanntermaßen pflegt sie enge Kontakte zur Neo­na­zi-?Sze­ne. Auch personelle Überschneidungen zwischen dieser Burschenschaft und der rechtsextremen Szene – dem „Freien Netz Süd“ sind belegt und sicherlich auch der Universitätsleitung bekannt. Auf diesen Sachverhalt wird im Zusammenhang mit der Verlinkung auf der Webseite aber nicht hingewiesen.

Gerade in einer Stadt, die der “Europäischen Städte-Koalition gegen Rassismus“ beigetreten und in der “Bayerischen Koalition von Städten gegen Rechtsextremismus” aktiv ist, finden wir Links, die immer auch als Empfehlung verstanden werden, zu rechtsextrem orientieren Organisationen unangebracht. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie diese Verlinkung aufheben würden.

?Zwischenzeitlich stößt man sich also nicht mehr an den Verlinkungen mit dem Verbindungswesen im Allgemeinen, sondern nur noch an dem zur B! Frankonia. Gibt es eigentlich eine aktuelle Stellungnahme der Verbindung dazu? Die Vorwürfe sind zwischenzeitlich ja doch schon einige Jahre alt und tauchen in keinem Verfassungsschutzbericht mehr auf. Dahingehend ist die B! Frankonia meines Wissens auch nicht mehr aufgefallen – ich lasse mich aber gerne eines besseren belehren.

Gerade Verbindungen wandeln sich im Laufe der Zeit und sind vor allem geprägt von den ständig wechselnden Aktiven, die das Bild des Bundes – zum Positiven als manchmal auch zum Negativen - verändern. Auch solche Überschneidungen zu fragwürdigen Verbänden können sich im Laufe der Zeit wandeln, so bspw. durch Einsicht und dem folgenden Austritt aus der einen oder anderen Organisation.

Mit freundlichen Grüßen
Susanne Lender-Cassens (Fraktionsvorsitzende)

Dito.

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