Eine Gruppe, die sich Linke und kritische StudentInnen (LukS) nennt, fordert in einem offenen Brief den Rektor der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Prof. Dr. Karl-Dieter Grüske) auf, auf Distanz zu den örtlichen Studentenverbindungen zu gehen. Bereits in der Einleitung der der Webseite “Offener Brief an die FAU Erlangen Nürnberg zu studentischen Verbindungen” werden allerhand Problemstellungen hinsichtlich des Verbindungswesens angekündigt, die für eine solche Distanzierung sprechen würden.
Es heißt dort:
Heute veröffentlichten wir einen Offenen Brief zu studentischen Verbindungen an der FAU Erlangen-Nürnberg. In diesem Brief zeichnen wir zum einen die Problematik der studentischen Verbindungen nach, ihr veraltetes, traditionalistisches, elitäres und frauenverachtendes Weltbild. Zum anderen fordern wir die Universität auf den Korporationen jeglichen Raum zu nehmen.
Ich war gespannt! Der offene Brief wie folgt und kommentiert:
Sehr geehrte Frau Haberer, sehr geehrter Herr Grüske,
Schon alleine hier offenbart es sich, dass die Autoren keinerlei Ahnung vom Universitätsleben haben. Gerade wenn es sich um einen Brief im akademischen Milieu handelt und auch dann, wenn er von der politischen Linken kommt, so dürfte eine gewisse Form zu erwarten sein. Ob Frau Prof. Haberer und Herr Prof. Grüske an dieser Stelle überhaupt weiter lesen werden, steht in den Sternen. Ich habe es aber getan…
mit Entsetzen mussten wir feststellen, dass die offizielle Internetseite der FAU Erlangen-Nürnberg die Internetseiten aller studentischen Verbindungen unter dem Titel: „Von Studierenden für Studierende“ verlinkt. [Der Link dazu findet sich hier; Anmerkung von "Burschireader"] Dabei stellt sich die Frage, was unter einer studentischen Verbindung eigentlich genau zu verstehen ist. Es handelt sich bei all diesen Verbindungen (auch Korporationen genannt) um Gruppen, die einige Gemeinsamkeiten aufweisen: Dazu zählt insbesondere das Lebensbundprinzip, was eine lebenslange Mitgliedschaft in einer Verbindung bedeutet. Wer einmal Mitglied ist, bleibt es ein Leben lang und kommt so einfach nicht mehr aus ihr heraus.
Aha! Ich wüsste nicht, was einen Farbenbruder daran hindern sollte, aus seinem Bund auszutreten, also seine Farben nieder zu legen. Studentenverbindungen sind in aller Regel Vereine und keine okkulten Sekten. Allerdings sollten sich die Autoren solcher Briefe einmal darüber nachdenken, warum es so wenige Austritte im Verbindungswesen gibt. Vielleicht liegt es daran, dass das System Studentenverbindung einfach auch heute noch funktioniert.
Weitere Merkmale sind die Fixierung auf überkommene Traditionen, wie Feierriten, in denen vor allem neue Mitglieder oft bis zur Alkoholvergiftung trinken müssen…
Traditionen beruhen immer auf Überkommenem und haben aus heutiger Sicht im Grunde wenig Sinn. Dennoch erinnern wir uns oft vergangener Tagen (die historisch bis unglaublich weit vor das Dritte Reich zurückreichen!), auch um aus diesen unsere Lehren für Gegenwart und Zukunft zu ziehen. Alkoholvergiftungen im Sinne vom Komasaufen, was hier wohl gemeint sein soll, sind sicherlich kein Problem, das aus dem Verbindungswesen kommt. Erfahrungsgemäß wird in Studentenverbindungen auch nicht mehr getrunken, als anderswo.
… oder das Prinzip einer abgestuften Mitgliedschaft, was die streng hierarchische Ordnung der Korporationen verdeutlicht. Neue Mitglieder sind im ersten Jahr sog. Füxe, denen Ihr Status oft auf brutalste und verachtenswerteste Weise verdeutlicht wird, frei nach dem Spruch: „Nach oben buckeln und nach unten treten“.
Mir ist kein Fall bekannt, in dem Füxe, so wie es hier versucht wird darzustellen, in irgend einer Art und Weise misshandelt würden. Im Gegenteil ist es die Fuxenzeit, nach denen sich Alte Herren gerne zurück sehnen. Die Restriktionen, die man als Fux erleben muss, werden widerum durch ein hohes Maß an Freiheiten und Gesellschaftserlebnissen aufgewogen. Noch nie habe ich es erlebt, dass nach ‘unten gebuckelt’ worden wäre. Die Autoren des Briefes scheinen zuvor wohl einmal zu oft Heinrich Manns “Der Untertan” gelesen zu haben.
Gegenüber diesen Gemeinsamkeiten scheinen uns die Unterschiede der Verbindungen, etwa ob sie Farben tragen oder ob es sich bei ihnen um schlagende Korporationen handelt, nicht wirklich erheblich.
Mir scheint, dass die Briefeschreiber Fakten gerne mit Mutmaßungen unterstreichen, insbesondere dann, wenn wirliche Argumente nicht greifbar sind. Dieser Satz – macht er an dieser Stelle und in dem ganzen Brief ohnehin keinen Sinn -, zeugen von der offensichtlich nicht vorhandenen farbenstudentischen Bildung.
Hinzu kommt, dass die meisten studentischen Verbindungen nur männliche Mitglieder zulassen, dass sie sich als elitäre Gemeinschaften verstehen, die auf Befehl und Gehorsam beruhen und keinen Hehl daraus machen, eine frauenverachtende, diskriminierende und völkisch-nationalistische Einstellung zu vertreten. Dies wird durch ihre Geschichte, ihre Publikationen, ihre Wahlsprüche, ihre Veranstaltungen, der Zugehörigkeit zu ihrem Dachverband und durch ihre Struktur deutlich belegt.
Studentenverbindungen sind generell weder völkisch-national eingestellt, militant noch möchtegern-elitär. Ebenso kenne ich keine Verbindungen oder Bundes- bzw. Farbenbrüder, die frauendiskriminierend wären. Nur weil viele Verbindungen keine Damen aufnehmen, so heißt es noch lange nicht, dass sie sie verachten oder als minderwertig erachten würden. Es ist in diesem Zusammenhang auch sehr einfach, dererlei Hetzparolen durch Hinweise auf Historie, Publikationen, Wahlsprüche, Veranstaltungen, Dachverbände oder Strukturen in den Raum zu werfen, wenn diese nicht weiter benannt oder durch Quellangaben begründet werden. Dies erinnert sehr an Porpaganda vergangener Tage.
So weisen Korporationen Merkmale auf, die einer freien und demokratischen Strukturierung der Gesellschaft deutlich widersprechen. Auch mit dem Leitbild der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg kollidiert diese Ideologie deutlich. Dort heißt es zum einem: „Im Mittelpunkt steht die wissens-? und methodenbasierte Ausbildung der Studierenden zu kritischen, eigenverantwortlichen Persönlichkeiten, die ihre erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse selbständig, verantwortungsvoll und zum Wohl der Gesellschaft anwenden.“ Weiterhin heißt es im Leitbild: „Als weltoffene und international ausgerichtete Universität ist die FAU dem gegenseitigen Verständnis der Nationen und Kulturen verpflichtet. Sie fördert Wissenstransfer und Mobilität sowie persönlichen Austausch in Forschung und Lehre. Studierende, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aller Länder erhalten jede Möglichkeit, sich in das universitäre Leben einzubringen.“ Beide Aspekte des Leitbildes widersprechen der Ideologie und den Handlungen der Korporationen aufs Schärfste.
Wer solche Behauptungen in den Raum wirft, der hat das Verbindungswesen selbst in seinen grundsätzlichsten Manifesten nicht verstanden. Wie jeder andere Verband auch, werden Studentenverbindungen durch das Zusammenwirken vieler Individuen geprägt. Nur als ein Beispiel sei hier die Satzung der Burschenschaft Cimbria Nürnberg zitiert, wo es heißt:
“Die Burschenschaft Cimbria ist [...] parteipolitischer, weltanschaulicher und religiöser Hinsicht frei und unabhängig [und] bekennt sich zur freiheitlichdemokratischen Grundordnung. [...]
Die Burschenschaft Cimbria hat sich die lebenslange Freundschaft aller Bundesbrüder zum Ziel gesetzt. Im Rahmen dieser Zielsetzung sind anzustreben:
- die Förderung der demokratischen Gesinnung und eines verantwortungsbewussten Staatsbürgertums,
- die Fortbildung alle Bundesbrüder auf wissenschaftlichen und kulturellen Gebieten,
- die Studienförderung und -beratung,
- die Pflege der allgemeinen und studentischen Geselligkeit.”
Dieses Beispiel wiederspricht vollends der Unterstellung von LukS in ihrem offenen Brief. Die Leitbilder anderer Verbindungen entfernen sich von diesem aus meiner persönlichen Erfahrung heraus kaum. Es wäre nicht viel Recherche nötig gewesen, dies auch vor dem Verfassen eines solchen Briefs in Erfahrung zu bringen.
Neben dem Leitbild gibt die Universität Regeln für die Gestaltung von Informationen für das World Wide Web an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg vor. So haben Einrichtungen der FAU, die mit Hilfe der Techniken des Internet Informationen Dritten gegenüber zugänglich machen, zahlreiche Regeln zu beachten. Im dritten Punkt dieser Regeln heißt es: „Der Inhalt der Seiten bzw. Dateien darf nicht gegen gesetzliche Bestimmungen insbesondere des Datenschutz-, Persönlichkeits-, Urheber-, Presse- und Strafrechts verstoßen. Alle beleidigenden, verleumderischen, verfassungsfeindlichen, rassistischen oder pornographischen Äußerungen oder Abbildungen sind verboten. Verweisungen (Hyperlinks) auf Quellen, die solche Äußerungen oder Abbildungen enthalten oder enthalten können, dürfen nicht erfolgen.“ Bei genauerer Betrachtung diverser Internetseiten von Erlanger Korporationen lässt sich deutlich zeigen, dass diese Regel keineswegs eingehalten wird. Vor allem rassistische Propaganda ist des Öfteren auf den Seiten der Frankonia zu lesen. Aber auch der Verweis auf die höchstumstrittenen und teilweise als neonazistisch und ultra-nationalistisch einzustufenden Dachverbänden widerspricht diesen Regeln deutlich.
Gerade der zitierte dritte Punkt der Regeln ist der Grund, warum dieser Brief wohl niemals in dieser Art auf der Webseite der FAU verlinkt werden wird. Er strotzt vor Verleumdung! Auch wenn tatsächlich einmal eine Verbindung als Beispiel genannt wurde, so konnte ich auf den Seiten der Frankonia – ich gehe an dieser Stelle davon aus, dass die Burschenschaft Frankonia in Erlangen gemeint ist – keine rassistischen Passagen finden.
Wer bestimmt eigentlich das Maß dessen, was nazistisch ist oder (ungesund) nationalistisch? Sicherlich nicht eine Gruppe die sich in einem offenen Brief an einen Hochschulrektor wendet. Hier stehen – zurecht! -staatliche Stellen in der Pflicht, die sich entsprechend sehr genauen Untersuchungen annehmen. Alles andere käme einer Hexenjagd gleich, die eben beispielsweise LukS veranstalten möchte.
Gerade angesichts der wenig rühmlichen Rolle, welche die FAU vor 1933 und während des sog. Dritten Reiches gespielt hat, sollte für die Universität und ihre Leitung Anlass für äußerste Wachsamkeit sein.
Eine notwendige und richtige Folgerung hat die Universität Gießen gezogen. Sie hat den schlagenden Verbindungen jegliche Nutzung von uniinternen Räumlichkeiten untersagt, da diese mit dem Leitbild der Hochschule in Konflikt stehen.
Prinzipiell sollten wir als Staat (und damit jeder Staatsbürger) dahingehend wachsam sein! Ob die Entscheidung der Hochschulleitung in Gießen notwendig und richtig war, da steht in den Sternen und ist wahrscheinlich besonderen Umständen in Gießen während dieser Beschlussfassung geschuldet.
Vor allem die pflichtschlagende und lange Zeit vom Verfassungsschutz beobachtete studentische Verbindung Frankonia pflegt enge Kontakte zur lokalen Neonazi-Szene. Dies zeigt sich zum einen an den personellen Überschneidungen zwischen der Frankonia und dem extrem rechten Freien Netz Süd. Dazu kommt noch die Mitgliedschaft des Holocaustleugners Stefan Böhmer, von dem sich die Frankonia bisher nicht distanziert hat.
Prinzipiell würde ich LukS an dieser Stelle mit großem Vorbehalt zustimmen, jedoch frage ich mich immernoch, warum diese eine Verbindung für die zahlreichen anderen sprechen sollte, die an der FAU immatrikuliert sind. Darüber hinaus fehlen Belege und Namen (abgesehen von dem von Herrn Böhmer), die solche Behauptungen untermauern würden. Darüber hinaus muss man auch unterscheiden, was einzelne Farbenbrüder im Verbindungshaus oder im persönlichen Umfeld tun. Nicht jeder Rechtrsextremist läuft in ständiger Sturheit durch die Straßen, um nach Möglichkeiten zur Propaganda-Verbreitung zu suchen.
Weiterhin zeigt sich der enge Kontakt zur lokalen Neonazi-Szene auch an der Propagierung ihrer neonazistischen Ideologie, was unter anderem am aktuellen Beitrag auf der Startseite der Frankonia zu erkennen ist. An diesem Text wird die inhaltliche und strukturelle Verbindung zum Neonazismus besonders deutlich.
Einzig die Aussage, dass man jederzeit wieder ‘alle drei Strophen’ des Deutschlandlieds singen würde, gäbe aus diesem Absatz heraus Anlass zur Diskussion. Allerdings muss man hier sehen, aus welcher Intension heraus Fallersleben den Text seinerzeit so geschrieben hat und mit welcher man heute diese Zeilen singen würde. Alleine DASS man sich zu dem Text bekennt, gibt aber noch keinen Anlass für Unterstellungen. In diesem Zusammenhang schreiben die Frankonen auf ihrer Webseite: “Ebenso setzen wir uns für ein Europa gleichberechtigter Völker und Vaterländer in selbstbestimmter Freiheit ein. Andere Völker und deren Traditionen achten wir genauso wie unsere deutsche Nation.”
Da eine gerechte und freie Bildung nur in einer gerechten und freien Gesellschaft möglich ist, halten wir das elitäre, frauenverachtende und völkisch-nationalistische Weltbild der studentischen Verbindungen mit dem Bildungsauftrag der FAU für unvereinbar.
Und wieder erlebt man die böswillige Pauschverurteilung aller Studentenverbindungen.
Wir fordern Sie daher auf, zu den hier dargestellten Sachverhalten Stellung zu nehmen und mit sofortiger Wirkung die Verlinkungen sämtlicher Korporationen auf Ihrer Homepage zu entfernen und sich die Universität Gießen als Vorbild zu nehmen. Wir fordern Sie weiterhin auf, zudem den schlagenden und traditionalistischen Verbindungen jegliche Nutzung von Universitätsräumlichkeiten zu untersagen. Geben Sie diesen Gruppen keinen Raum für Ihre rückwärtsgewandte und reaktionäre Ideologie.
Korrekt wäre es an dieser Stelle, eine Richtigstellung von dem Erlanger Rektorat zu fordern. Pauschalierte Sachverhalte zu kommentieren dürfte fern akademischer Prinzipien sein. Warum sollten sich Herr Professor Grüske und Frau Professorin Haberer die Zeit dazu nehmen, solcherlei unfundierte Unterstellungen zu kommentieren?
Bitte beachten Sie zudem, dass dieser Briefwechsel von uns öffentlich geführt wird und wir dieses Anschreiben wie auch Ihre eventuelle Antwort zu Zwecken der Dokumentation und Aufklärung veröffentlichen.
Mit solcherlei Drohungen und Einschüchterungsversuchen erreicht man hierzulande – Gott sei Dank! – eher wenig. Eine offene und vor allem faire Diskussion käme sicherlich zu einem Ergebnis. Dieser “offene Brief” aber kann hoffentlich nur in der Versenkung verschwinden.
Mit freundlichem Gruß
LukS (Linke und kritische StudentInnen)Dieser Brief, sein Inhalt und seine Forderungen werden unterstützt von folgenden Gruppen und Einzelpersonen:
AK Ohm gegen Rechts
Banda Sinistra Erlangen
Bildungsprotest Erlangen
Bildungsstreikbündnis Nürnberg
Die Linke, Kreisvorstand Erlangen-Höchstadt
Flüchtlingsunterstützung Erlangen (Flunterl)
Gewerkschaft Erziehung Wissenschaft (GEW), Kreisverband Erlangen
Grüne Hochschulgruppe Erlangen
Grüne Liste Stadtratsfraktion Erlangen
Stadtratsfraktion Erlanger Linke
Selbstverwaltetes Jugendhaus Erlangen
Verein zur Förderung alternativer Medien (Erlangen)
XV – Initiative gegen Studentische Verbindungen
Prof. Dr.-Ing. Elmar Nöth, Technische Fakultät, Department Informatik
Dr. Christoph Haferburg, Institut für Geographie
Andrè Gaul, TU Berlin, Institut für Mathematik
Prof. Dr. Theodor Ebert, Institut für Philosophie
Leo Roepert
Selbst diejenigen aus der Liste, die bisher eine gute Reputation hatten, dürften durch ihr Bekenntnis zu diesem offenen Brief wahrscheinlich angeschlagen sein.
Auf der Seite der FAU sind rund 20 Studentenverbindungen aufgeführt und verlinkt. Die pauschale Verurteilung durch den offenen Brief von LukS werden alle diese ohne jegliche Grundlage in ein unseriöses, rechtes, staats- und gesellschaftsfeindliches Licht gerückt. Gerade von (angehenden) Akademikern muss Besseres zu erwarten sein!
Wenn solche Pauschalverurteiler mit ihrer falsch verstandenen Ideologie künftig unser Land führen sollen, dann stehen uns wahrlich düstere Zeiten bevor. Mit Wissenschaftlichkeit hat ein solches Auftreten rein gar nichts zu tun!
Nachtrag (12.04.2011)
Offenbar hat die Leitung der Universität bislang nicht auf das Schreiben von LukS & Co. reagiert. Die Stadtratsfraktion der Grünen in Erlangen hat sich daher nochmals an die Prof. Grüske und Prof. Haberer gewandt. Gelernt hat man zumindest aus den formalen Fehlern nichts, inhaltlich scheint man zwischenzeitlich zumindest zu Kompromissen bereit.
?Sehr geehrte Frau Haberer, sehr geehrter Herr Grüske,
Den formalen bzw. protokollarischen Fehler aus dem ersten Brief hat man offenbar beibehalten. Vielleicht wird das Uni-Rektorat das Schreiben aber zumindest wegen des Absenders beantworten.
im Januar haben wir mit anderen Organisationen und Parteigruppierungen in einem Offenen Brief auf die Verlinkung der offiziellen Internetseite der FAU Erlangen-Nürnberg mit studentischen Verbindungen hingewiesen. Unter dem Titel: „Von Studierenden für Studierende“ werden verschiedene Erlanger Verbindungen / Korporationen verlinkt, auch die Erlanger Burschenschaft Frankonia. Diese Links befinden sich immer noch auf der FAU-Webseite.
Das ist grundsätzlich auch gut so. Zumindest an den älteren Universitäten, wie eben die in Erlangen-Nürnberg gehören Verbindungen zum Bild der Anstalten.
Abgesehen von der Frage, ob das Weltbild von Studentenverbindungen mit dem einer weltoffenen Universität vereinbar ist, irritiert uns besonders der Hinweis auf die Burschenschaft Frankonia. Bekanntermaßen pflegt sie enge Kontakte zur Neonazi-?Szene. Auch personelle Überschneidungen zwischen dieser Burschenschaft und der rechtsextremen Szene – dem „Freien Netz Süd“ sind belegt und sicherlich auch der Universitätsleitung bekannt. Auf diesen Sachverhalt wird im Zusammenhang mit der Verlinkung auf der Webseite aber nicht hingewiesen.
Gerade in einer Stadt, die der “Europäischen Städte-Koalition gegen Rassismus“ beigetreten und in der “Bayerischen Koalition von Städten gegen Rechtsextremismus” aktiv ist, finden wir Links, die immer auch als Empfehlung verstanden werden, zu rechtsextrem orientieren Organisationen unangebracht. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie diese Verlinkung aufheben würden.
?Zwischenzeitlich stößt man sich also nicht mehr an den Verlinkungen mit dem Verbindungswesen im Allgemeinen, sondern nur noch an dem zur B! Frankonia. Gibt es eigentlich eine aktuelle Stellungnahme der Verbindung dazu? Die Vorwürfe sind zwischenzeitlich ja doch schon einige Jahre alt und tauchen in keinem Verfassungsschutzbericht mehr auf. Dahingehend ist die B! Frankonia meines Wissens auch nicht mehr aufgefallen – ich lasse mich aber gerne eines besseren belehren.
Gerade Verbindungen wandeln sich im Laufe der Zeit und sind vor allem geprägt von den ständig wechselnden Aktiven, die das Bild des Bundes – zum Positiven als manchmal auch zum Negativen - verändern. Auch solche Überschneidungen zu fragwürdigen Verbänden können sich im Laufe der Zeit wandeln, so bspw. durch Einsicht und dem folgenden Austritt aus der einen oder anderen Organisation.
Mit freundlichen Grüßen
Susanne Lender-Cassens (Fraktionsvorsitzende)
Dito.
