Es mag für den einen oder anderen ziemlich bescheuert aussehen: Da stehen sich zwei junge Männer, halb verkleidet, gegenüber. Eine Hand ist auf dem Rücken, die andere über dem Kopf und hält einen Degen. Nach einem Kommando lassen die beiden Paukanten die Schläger im Ryhtmus und aus dem Handgelenk heraus nach unten fallen – auf den Kopf seines Gegenüber. Der wiederum wehrt diese Hiebe ab und versucht selbst Treffer auf dem Kopf des Gegners zu landen. In den allermeisten Fällen geht das gut, nur gelegentlich trifft die scharfe Klinge tatsächlich und es fließt Blut.
Das hört sich an, wie aus einem Historienfilm, wird aber heute noch in Studentenverbindungen gepflegt. Dieses Szenario wirkt etwas befremdlich auf den Außenstehenden und nicht ganz zu unrecht fragt man sich, was das eigentlich soll.
In den Zeiten, als Deutschland noch aus mehr als hundert Einzelstaaten bestand, war es einerseits üblich, weite Entfernungen zu Fuß zurück zu legen und andererseits waren eben jene Reisen alles andere als sicher. Obdenn Studenten damals eigentlich nicht erlaubt war, Waffen zu tragen, wurde es dennoch geduldet. Auf den weiten Strecken zu ihrem Studienort legten die jungen Männer in aller Regel mit viel Geld und Habseligkeiten zurück, um die Monate bzw. Jahre ihres Studiums finanzieren zu können. Sie waren damals daher beliebtes Ziel und Opfer von Wegelagerern. Insbesondere zum Schutz vor diesen durften die Kommilitonen Waffen mit sich führen.
Wenn nun allerdings mehrere halbstarke rivalisierende Jugendliche mit Waffen aufeinander prallen, liegt ein Zweikampf nicht weit entfert. So starben im 19 Jahrhundert nicht wenige Studierende in der Folge von Duellen. Das nahm teils solcher Ausmaße an, dass Duelle zwischen Studierenden von der Obrigkeit verboten wurden. Selbstredend sind idealistische und eben halbstarke junge Menschen für solche Verbote selbst heute noch oftmals unzugänglich und der Erfolg solcher Verbote war damals schon zweifelhaft. Nach und nach entstand das technisch ritualisierte, reglementierte studentische Fechten wie man es heute noch kennt. Die Sterberaten und schweren Verletzungen gingen gegen Null.
Das Mensurenschlagen hatte also durchaus seine Berechtigung. Dieselben Argumentationskette hätte heute natürlich keine Gültigkeit mehr, doch darf man sich der Vergangenheit – ob positiv oder negativ – auch nicht verschließen. Die Freiheit und Freizügigkeit junger Menschen heute war vor gar nicht allzu langer Zeit keine Selbstverständlichkeit. So ist das Mensurenschlagen aus meiner Sicht vor allem ein Gedenken auch an jene Kommilitonen, die ihr Studium nicht mit der Leichtigkeit begehen können, wie es heute – trotz Studiengebühren – der Fall ist.

Selten so einen Quatsch über das fechten gelesen. Das fechten ist vor allem ein toller Sport der auch sehr viel Spaß machen kann. Oder würdest du Boxen auch als veraltet betrachten?
Nebenbei ist es ein Generationenübergreifendes verbindenes Element.
Hallo!
Kann es sein, dass Du hier den Fechtsport mit dem Mensurenschlagen verwechselst? Das sind zwei vollkommen verschiedene Dinge! Ich glaube, Du liegst hier einem Missverständnis auf.
Das Fechten, da gebe ich Dir recht, ist eine Sportart, die Körper und Geist beansprucht und an Eleganz seinesgleichen sucht. Das Mensurenschlagen ist – für mich als Außenstehenden – etwas recht Steifes, Rituelles. Gegen beides habe ich nichts.
Das Mensurenschlagen hat vor allem eine historische Bedeutung und Berechtigung, die ich in keiner Weise abspreche, im Gegenteil. Eine Organisation, die sich auf Traditionen beruft, hat sogar die Aufgabe, solche Riten aufrecht zu erhalten. Inwiefern nun aber die Einzelne welche Riten leben will, muss er für sich selbst entscheiden.
Gruß,
Frank
Wieder Unsinn. Fechtsport ist der Oberbegriff. Man unterscheidet lediglich zwischen akademischen Fechten und Sportfechten.
Und ich fechte Garantiert nicht nur aus Traditon oder um Riten aufrecht zu halten. Dann hätte ich nach meinem Pflichtpartien auch aufhören können.
Und ich sehe sehr wohl einen Sport da drin. Ein Sport der Kraft Ausdauer Konzentration und viel Training verlangt.
Lieber Farbenbruder,
ehrlich gesagt weiß ich gerade nicht, was für ein Problem Du genau hast. Du wirst sichrerlich Deine Gründe haben, warum, Du Dich für einen schlagenden Bund entschieden hast. Ich verurteile das Schlagen auch nicht – habe ich nie getan!
Welche Philosophie Du ganz persönlich mit Mensuren verbindest, wirst Du auch mit Dir selbst ausgemacht haben. Deine Auffassungen sind aber sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss. Ich selbst habe zu diesem Thema eben eine andere Auffassung als Du. Ich gehe aber davon aus, dass auch in Deinen sehr verehrlichen Bund das Toleranzprinzip gelebt wird.
Falls Du aus der sachlichen, historischen Ebene andere Informationen hast, kannst Du sie gerne mit mir und den Lesern dieses Blogs teilen. Meine Angaben sind soweit belegbar. Ansonsten wüsste ich jetzt nicht, was Dich an meinem Artikel derart brüskieren könnte.
Mit blau-weiß-roten Farbengrüßen,
Frank Kimmerle v. Spezi
B! Cimbria zu Nürnberg
P.S: Entschuldige bitte die (zischenzeitlich hoffentlich entfernten) Rechtschreibfehler – ich hatte bei der Erstfassung dieses Kommentars meine Tochter auf dem Arm.
Mensurenfechten ist ausserdem ein absolut fairer, gleichberechtigter (Ausnahme pc, pp) Extremsport, der sportlich zwar durchaus fordernd ist, aber längst nicht soviel Zeit beansprucht wie etwa segeln, bergsteigen etc und längst nicht so lebensgefährlich ist wie etwa free climbing. Jegliche Art von Sportverletzungen etwa vom Fussball ist gefährlicher als ein kleiner Schmiss. Und nur wer nicht gut genug geübt hat, schlecht ficht oder offen ist wie ein Scheunentor, bekommt einen Schmiss.
Schliesslich bereitet die Extremsituation einer Mensur auf das spätere Leben vor: in so mancher Prüfungssituation im Studium oder Begebenheit im Berufsleben sagte ich mir selbst, dass das nix ist gegen die Überwindung vor meiner ersten Partie. =;)
Dieser Artikel ist auf jeden Fall sehr interessant, wenn auch, wie von Farbenbruder Florian etwas unsachlich angemerkt, ein wenig unvollständig.
Die studentische Mensur entstand natürlich aus der puren Notwendigkeit, sich zu verteidigen, wurde jedoch auch eine Art von Statussymbol.
Dass das Tragen von Waffen für Studenten verboten war, ist so nicht richtig. Natürlich hing es immer vom jeweiligen Landesherren ab, aber in cumulo hatten Studenten das Recht, Waffen zu tragen, was sie mehr oder weniger auf eine Stufe mit dem Landadel stellte. Auch der allgemeine Status von Studenten im Mittelalter war mit dem der mittleren, gelegentlich (z.B. Bologna) sogar hohen Geistlichkeit vergleichbar.
Heutzutage erfüllt die Mensur meiner Meinung nach dreierlei Zweck:
1. Ehrung von Tradition und Ehrgefühl
2. Sportliche sowie charakterbildende Aspekte (–> ” In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist”)
3. Beweis, dass der Verbindungsbruder willens ist, die Verbindung sogar unter Gefahr für Leib und Leben zu unterstützen. Diese Definition hört sich etwas drastisch an, gemeint ist damit, dass Trittbrettfahrer etc. aussortiert werden können.
Ich selbst bin CV-er, ergo nicht schlagend, jedoch habe ich mich eingehend und auch in vielen Gesprächen mit schlagenden Farbenbrüdern mit diesem Thema befasst und bin der Meinung, dass die studentische Mensur eine gewisse Daseinsberechtigung hat, auch wenn sie mit meiner persönlichen Einstellung nicht vereinbar ist.
Mit farbenbrüderlichen Grüßen
Nikolaj