Aug 242010
 

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Ehre, Freiheit, Vaterland – das waren die hohen Ziele, die sich die Urburschenschaft 1815 auf die Fahnen geschrieben hatte. Es waren die Forderungen, die die damalige Studentenschaft für ihre deutsche Heimat hatte. Bis zu 50% der damaligen Studierenden, so wird geschätzt, haben sich freiwillig zum Kriegsdienst für die Befreiungskriege gegen die Armeen Napoleons gemeldet, um vor allem für diese Werte einzustehen.

In der Zwischenzeit haben sich die politischen Verhältnisse in Europa mehrfach geändert. Die französischen Truppen sind aus Deutschland abgezogen, dafür aber haben binnen kürzester Zeit zwei Weltkriege das Weltgeschehen überschattet.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wollten die Burschenschaften vor allem eine volksbeherrschte Nation, eine Republik, die den absolutistischen Alleinherrschern überdrüssig werden sollte. Nur so sah man sich in der Lage, dem Einzelnen die Menschenrechte, also die persönliche Ehre, zuteil werden zu lassen, die wir heute als selbstverständlich hinnehmen. Zu dieser Ehre gehört unverrückbar auch die Freiheit sowohl des Individuums und des Kollektivs. Das Ehrgefühl eines Menschen ist unverrückbar mit dessen Freiheit verbunden.

Und dennoch braucht es einen Rahmen, der der Freiheit Grenzen gebietet. Freiheit ist kein unendliches Gut, es endet an der Ehre des anderen. Solche Grenzen kann nur das Kollektiv, sprich der Staat bzw. das Vaterland, schaffen. Nach diesen Prinzipien ist das deutsche und europäische Staatswesen aufgebaut.

Sicherlich war das nicht alleine der Verdienst der Burschenschaften. Vielleicht wird sogar die Rolle des Verbindungswesens daran viel zu hoch angesiedelt, doch hatten vor allem die Studenten jender Zeit den Idealismus, den Mut und die Organisationsfähigkeit, sich der Obrigkeit entgegen zustellen. Es ist ein Jammer, wenn man sich dagegen die Uni-Brennt-Bemühungen der letzten Monate und Jahre ansieht, die trotz modernster und weltweiter Echtzeit-Kommunikation nicht voran kommt.

Die Prinzipien der Ehre, der Freiheit und des Vaterlandes müssen heute noch unverändert weiter gelten. Im Grunde genommen sind diese drei Schlagworte die Grundpfeiler nicht nur einer Demokratie, sondern eines jeden menschlichen Zusammenschlusses. Für einen Staat sind sie noch grundlegender als die Prinzipien der staatlichen Gewaltenteilung.

Ich frage mich, wie man in einem aufgeklärten Land wie dem Unserem heute, eben jenes Motto umgehend mit rechtsextremistischen Tendenzen in Verbindungen bringen kann. Im Grunde sind das sogar linke Forderungen. Unverkennbar auch hier die Notwendigkeit eines großen Lernprozesses bei so manchem Verbindungsgegner.

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  One Response to “Ehre, Freiheit und Vaterland – Das revolutionäre Motto in die Gegenwart transferiert”

Comments (1)
  1. Ist doch logisch, Rechtsextreme geben dem Vaterlandsteil eben eine verdammt hohe Aufmerksamkeit, und damit ist nicht das von dir gesehene Kollektiv gemeint, sondern die Grenzen, wie sie mal waren. Wenn also nun ein Linker was vom Vaterland hört, bringt er als erstes die rechtsextremen Meinungen damit in Verbindung, die sich auf das Territorium beziehen, und weniger den Staat als Kollektiv der Bürger.

    Finde ich persönlich als eher linker Korporierter eher schade, wo ich doch auf anderen Gebieten wesentlich aufgeklärtere Meinungen der linken Seite gewohnt bin.

    Ich persönlich sehe mich in der Tradition, gesellschaftlich aktuelle Themen anzugehen. Damals war das eben ein einiges nicht-napoleonisches Deutschland, heute sind das andere Themen, die viel wichtiger geworden sind, wie Sozialabbau etc. Ein vereintes Deutschland haben wir bereits – da brauchts keine weitere Diskussion ums Vaterland mehr, im Sinne der territorialen Abgrenzungen. Eine Diskussion ums Vaterland im Sinne des gesellschaftlichen Kollektivs brauchts dann aber schon eher – womit ich mich dann auch abschließend für diesen Beitrag bedanken möchte, da ich nun meine Vaterlandsstrophe im Farbenlied nicht mehr nur zu Ehren der Gründungsmitglieder meines Bundes singen kann, sondern auch in dieser anderen Bedeutung.

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