Mrz 112010
 

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Das Verbindungswesen ist unglaublich vielfältig. Keine Verbindung gleicht der anderen. Überall sind es andere Bundesbrüder mit jeweils individuellen Lebenseinstellungen. Manche Verbindungen sind traditioneller, andere moderner und liberaler hinsichtlich der Brauchtumspflege. Es gibt Verbindungen, die leben recht comment-gemäß, andere sind da lockerer usw usf.

Manche Interessierte machen den Fehler und sehen sich eine Verbindung an, die ihnen dann nicht gefällt und verwerfen dann den Gedanken, selbst einer Verbindung beizutreten. Schade!

Ich selbst habe mir einige Verbindungen besucht, bevor ich mich dann recht augenblicklich ‘verliebt’ habe. Zuerst kam ich über einen Freund zu einer Schülerbindung Kastalia, die in dem selben Turm der Nürnberger Stadtmauer kneipte, wie eine fakultativ schlagende Burschenschaft Pythagoras. Während eines Ferienjobs lernte ich einen Corpsbruder des Corps Bavaria zu Erlangen kennen und war dort auf ein paar Kneipen, Kommersen und Partys. Ich war zu Gast bei noch ein paar weiteren Verbindungen und lernte dort wiederum Farbenbrüder wieder anderer Verbindungen kennen.

Der Vater eines Freundes lud mich dann zu der Verbindung ein, deren Farben ich heute auch trage. Das sind die der Burschenschaft Cimbria zu Nürnberg. Ich war zu Gast auf einer Kneipe und fühlte mich dort einfach wohl. Da hat es von den Bundesbrüdern und der gesamten Athmosphäre her gepasst. Ich glaube auch nicht, dass mir einer der anderen Bünde diese letztendliche Entscheidung übel genommen hat.

Ich empfehle im Vorfeld einige grundsätzliche Entscheidungen zu treffen. So bspw. ob man selbst Mensuren schlagen möchte – das schied bspw. für mich damals aus. Oder ob man in eine reine Männer- bzw. Damenverbindung oder doch lieber in einen gemischten Bund möchte. Oder gar die Frage, ob man es vom Studienfach gerne lieber homogen hätte oder ob von allem etwas dabei sein sollte. Ziemlich schnell grenzt sich das potentielle Feld an infrage kommenden Verbindungen recht schnell ein.

Aber das Wichtigste ist dennoch, dass man sich bei den jeweiligen Bundesbrüdern wohl fühlt und man sich vorstellen kann, wirklich ein ganzes Leben lang mit diesen Menschen verbunden sein. Wenn man sich selbst all diese Fragen vor einer möglichen Reception für sich selbst beantworten kann, ist man am Ende auch recht gut vor Überraschungen geschützt.

Die Fuxenzeit dient insbesondere des Kennenlernens der Bundesbrüder. Zwar scheint es zunächst einmal, als dass man viele lästige Aufgaben übernehmen müsste, doch sind es genau diese Aufgaben, die einen in Kontakt mit den Bundesbrüdern bringen. Wie sonst will man sich Gegenseitig ‘beschnuppern’, wenn man nicht in Kontakt zueinder kommt. In jedem Fall ist es einfacher, mit einen Bundesbruder über eine besondere anliegende Aufgabe zu konsultieren, als über einen gewöhnlichen Smalltalk (der sich dann aber im Grunde von selbst entwickelt).

Während der Fuxenzeit entscheidet sich vor allem auf Seiten des Fuxen, ob er sich der Verbindung weiter verpflichten möchte. Ich persönlich würde es auch keinem Fuxen übel nehmen, würde er sein Band zurück geben wollen, nachdem er festgestellt hat, dass das alles doch nicht ganz so ist, wie er sich das vorstellt. Und genau dafür gibt es die Fuxenzeit!

Ich habe es aber selten erlebt oder von anderen Verbindungen mitbekommen, dass Fuxen wirklich ihre Bänder niedergelegt hätten. Im Grunde ist das Bauchgefühl der ‘Suchenden’ beim Antrag auf die Reception schon recht gut.

Aber um wirklich sicher zu gehen sollte man sich eines beherzigen. Man sollte immer den inneren Schweinehund überwinden und Fragen stellen – auch wenn sie einem selbst vielleicht doof vorkommen. In aller Regel ist der Spefux kein Verbindungsexperte und kennt auch die besuchte Verbindung (noch) nicht allzu gut - genau das wissen die Bundes- und Farbenbrüder aber auch. Fragen zu stellen fördert also die eigene Sicherheit in Bezug auf die persönliche Entscheidung und man kommt ins Gespräch mit den Bundesbrüdern.

Wenn man das alles etwas beherzigt, sollte das mit der Verbindung eigentlich auch klappen.

Nachtrag (24. August 2010)

In der Zwischenzeit habe ich mich noch viel mehr mit dem Thema der Korporationen auseinander gesetzt, als ich zuvor ohnehin schon getan habe. Aufgefallen ist mir vor allem, dass es gerade neuere Studentenverbindungen sind, die in ein dubioses Visir geraten. Mitte der 1980er bis Ende der 1990er Jahren wurden einige neue Bünde gegründet, deren Initiatoren oftmals aus einem stark rechten Umfeld kommen.

In aller Regel haben es diese Bünde nicht geschafft, in der “Verbindungsszene” wirklich Fuß zu fassen und werden daher auch recht kritisch betrachtet.

Neuere Bünde müssen aber nicht zwangsweise ‘schlecht’ sein, jedoch täte hier unter Umständen ein wenig Internetrecherche zuvor gut.

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